"Eine zweite Heimat": Mein Jahr in Amerika

Von Philip Schubert (E-Phase im Schuljahr 2020/21)

Mein Name ist Philip Schubert, ich bin 17 Jahre alt und ich war nach der 10. Klasse für ein Schuljahr (2019/20) in Amerika.

Gelebt habe ich in League City, Texas mit meiner Gastfamilie, bestehend aus meinen Gasteltern, Carrie und David, und einem Gastbruder Brian (15).

 

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Die Schule, die ich besucht habe, war die „Clear Springs High-School“. Sie gilt mit 3700 Schülern als „kleine“ Schule. Dort ging ich in die 11 Klasse, besuchte aber trotzdem Kurse aus den Klassen 9, 10 und 11. Aufgrund meiner amerikanischen Staatsbürgerschaft wurde es mir nämlich nicht erlaubt, nur Kurse der 11. Klasse zu belegen, da ich sonst die Klassen 9 und 10 an der Schule „übersprungen“ hätte. Meine doppelte Staatsbürgerschaft war auch der Grund, warum ich das Auslandsjahr nicht über eine Organisation gemacht habe, sondern meine Eltern und ich alles selbst organisieren mussten.

Als Unterrichtsfächer hatte ich „Weight Training and Condition“, „Introduction to Engineering Design“, Chemie, Spanisch, Algebra 2 (Mathe), Englisch und „World History“. In meiner Schule hatte ich drei Wahlpflichtfächer, die ich mir aus einer zweiseitigen Liste mit Kursen aussuchen konnte. Diese Kurse sind nicht nur für eine Jahrgangsstufe gedacht. So finden sich in „Weight Trng/Condition“ zum Beispiel Schüler aus den Jahrgängen 9-12. Das führt dazu, dass man Leute in allen Jahrgangsstufen kennenlernt.

Mein erster Schultag war sehr aufregend. Ich war eine Woche vor Schulbeginn angereist und hatte Zeit, mich an alles zu gewöhnen. Am ersten Schultag brachte mich meine Gastmutter zur Schule, da ich noch keinen Stundenplan hatte. Ich werde niemals vergessen, wie ich das erste Mal die Schule betreten habe. Die Glocke hatte geläutet und ich sah, wie Hunderte von Schülern sich durch den Gang bewegten, um zu ihren Fächern zu kommen. Es dauerte lange, bis ich meinen Stundenplan bekam, und so war die dritte Unterrichtsstunde die erste, die ich an diesem Tag besuchte. Nachdem ich auch noch zu spät zum Unterricht erschien, da ich erst den Raum finden musste, war ich überrascht, als plötzlich alle aufstanden, um den "Pledge of Allegiance" und den "Texas Pledge" aufzusagen. Wie ich dann erfuhr, passiert dies jeden Tag in der dritten Stunde. Auf jeden Fall war ich froh, als ich den ersten Schultag überstanden hatte.

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Auch wenn der Anfang in der Schule anstrengend war, hat sich der Schulbesuch definitiv gelohnt. Nachdem ich mich eingelebt hatte und mich an alles gewöhnt hatte, hat es sogar Spaß gemacht, in die Schule zu gehen. Bald schon hatte ich in jedem Fach Freunde und nette Sitznachbarn, die so einige Unterrichtsstunden viel besser gemacht haben. Dadurch, dass amerikanische Schulen so viele Schüler haben und man in jedem Kurs neue Leute kennenlernt, kann dort fast jeder Freunde finden.

Ob ich in Amerika Freunde finden würde, war eines meiner größten Bedenken vor Antritt meines Aufenthaltes. Rückblickend kann ich sagen, dass ich mir zu viele Gedanken darüber gemacht habe. Schon in der ersten Woche lernte ich viele Leute kennen. Manche waren Sitznachbarn, mit welchen ich ins Gespräch kam, andere kannte ich durch den Schulbus und die Nachbarschaft, in der ich wohnte, und manche hatten gehört, dass ich ein Austauschschüler aus Deutschland war, und stellten sich mir vor.

Durch meine Freunde und deren Familien hatte ich die Möglichkeit, viele verschiedene Dinge zu erleben. Ich besuchte viele riesige Läden oder Einkaufszentren und probierte so viele Fastfood-Restaurants, wie ich konnte. Aber auch Dinge wie „Car-Shows“, Workouts mit Freunden, ein Besuch bei der „Gun-Range“ und viele weitere Dinge sind der Grund, warum dieses Jahr so besonders war.

Abschließend kann ich sagen, dass es eine meiner besten Entscheidungen war, dieses Auslandsjahr zu absolvieren. Ich werde mein Leben lang Erinnerungen an diese „Reise“ haben und ich bin sehr dankbar für all die Leute, die mir diese Erfahrungen ermöglicht haben. Mir ist bewusst, dass ich nicht jeden wiedersehen werde, da manche auf ein College in einem anderen Staat gehen, weggezogen oder der Armee beigetreten sind, aber trotzdem hoffe ich einige meiner Freunde wiederzusehen.

Ich habe Pläne, so bald wie möglich wieder nach Texas zu fliegen, um meine Freunde und meine Gastfamilie wiederzusehen. Auch wenn es nur ein Jahr war, fühlt sich League City für mich nach einer zweiten Heimat an.