„Ein Jahr voller neuer Erfahrungen“

Von Hanna Klosse (Abitur 2020)


Während meines Auslandsjahres in den USA habe ich viel über andere Kulturen, andere Länder und mich selbst gelernt. Es war das beste und zugleich schwierigste Jahr meines bisherigen Lebens und hat mich in vielen Aspekten geprägt. Ich bin unglaublich froh, dass ich den Sprung in die USA gewagt habe, denn ich habe in diesem Jahr viel erlebt, tolle Menschen kennengelernt und bin Teil einer zweiten Familie geworden.

Eckdaten zu meinem Austausch:
Land: USA
Zeitraum: Schuljahr 2017/18
Organisation: Experiment Ev.
Stipendium: Deutsch-Amerikanisches Parlamentarisches-Patenschafts-Programm (PPP)
Wohnort: Broadlands, Illinois (Unterbringung in einer Gastfamilie)


Das Wichtigste an meinem Auslandsjahr waren die Menschen, die ich in dieser Zeit kennen lernen durfte, und die Freundschaften, die entstanden sind und hoffentlich ein Leben lang halten werden. Meine High-School in den USA war sehr klein und es war anfangs nicht einfach, gute Freunde zu finden. Doch umso mehr Zeit ich in der Schule und mit meinem Team verbrachte, desto innigere Freundschaften entstanden und ich bin dankbar für jeden, der dazu beitrug, mein Auslandsjahr zu dem besten Jahr meines Lebens zu machen. Ich habe gelernt, über meinen eigenen Schatten zu springen, mich mit Neugier auf Neues einzulassen und Vorurteile beiseite zu legen.

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Der Schoolspirit in den USA ist vor allem durch die großen Sport- und Clubangebote in den Schulen geprägt. Ich war Teil des Volleyball-, Basketball-, und Track & Field Teams und ging liebend gerne ins Training. Auch wenn es ziemlich anstrengend war, hat es großen Spaß gemacht und besonders mein Basketballteam war wie eine Familie für mich, in der jeder jeden unterstützte. Ich kann jedem zukünftigen Austauschschüler bzw. jeder Austauschschülerin nur empfehlen, an Schulaktivitäten teilzunehmen. Es ist die beste Möglichkeit, sich einzugewöhnen und Freunde zu finden. Insgesamt ging ich sehr gerne zur High School, denn es wird nicht nur auf Leistung, sondern auch auf Charakter und Miteinander geachtet.

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Leider musste ich meine Gastfamilie auf Grund verschiedener Probleme wechseln, doch obwohl ich mit meiner zweiten Gastfamilie nur zweieinhalb Monate verbringen konnte, haben wir ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut. Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern, meinem sechsjährigen Gastbruder und meiner neunzehn jährigen Gastschwester. Das Familiengefühl in meiner Gastfamilie war sehr stark und sie haben mich mit offenem Herzen bei sich aufgenommen. Wir haben viel unternommen, und viel Familienzeit miteinander verbracht. Sie sind mehr als nur meine Gastfamilie, sie sind meine zweite Familie. Wir haben alles miteinander geteilt: Sorgen, Tränen, und besonders viel Freude und gute Laune. Es gab nie einen unangenehmen Moment zwischen uns und sie haben mir gezeigt, dass Familie über Blutsverwandtschaft hinausgehen kann. Ohne sie wäre mein Auslandsjahr nicht so schön geworden, wie es schlussendlich war.

Die Gegend, ich der ich lebte, ist sehr ländlich und die Menschen sind sehr konservativ eingestellt. Donald Trump ist sehr beliebt, sowohl unter den Erwachsenen als auch den Jugendlichen, doch viele waren trotzdem an meiner politischen Meinung und Deutschland interessiert.
Während meines Aufenthaltes in den USA war ich jedoch nicht nur in Illinois, sondern habe auch andere Seiten und Orte Amerikas sehen dürfen. Die Familie meiner besten amerikanischen Freundin nahm mich über die Osterferien mit auf einen zehntägigen Roadtrip nach California. Dabei sind wir durch insgesamt elf Staaten gefahren - Illinois, Missouri, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona, California, Nevada, Utah, Colorado und Kansas. Es war sehr interessant, die unterschiedlichen Landschaften der USA zu sehen und auch die teilweise verschiedenen Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Wir haben viel erlebt und ich hatte die Chance, noch mehr über Amerika zu lernen und lieben zu lernen.

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Da ich über ein Stipendium des amerikanischen Kongresses und des deutschen Bundestages in den USA war, hatte ich besondere Pflichten als Juniorbotschafter. Wir hatten drei politisch orientierte Seminare in Washington-D.C., bei welchen ich viel über das deutsche und amerikanische politische System gelernt habe. Ich musste außerdem eine bestimmte Stundenanzahl an freiwilliger und gemeinnütziger Arbeit leisten und ich habe mit Freude an vielen verschiedenen Projekten teilgenommen. Zum Beispiel habe ich den Schülern der Grundschule vorgelesen, bei einer Essensausgabe für Bedürftige geholfen oder als freiwillige Helferin an einem „Flying-Event“ für Kinder an dem örtlichen Flughafen teilgenommen. Durch diese Projekte habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und gemerkt, was für ein Glück ich habe, dass ich in Deutschland aufwachsen durfte. Leben in den USA hat viele Vorteile und ich war sehr gerne dort, doch ich bin sehr dankbar, für unser Bildungs- und Sozialsystem in Deutschland.

Mein High School Jahr in den USA war das Beste, was ich jemals gemacht habe! Es war zwar nicht immer leicht, doch unbeschreiblich schön und ich habe ein zweites Zuhause in den USA gefunden. Meine Familie und Freunde auf der anderen Seite der Welt werden für immer in meinem Herzen sein und ich freue mich schon jetzt darauf, sie wieder zu sehen. Ich bereue keine meiner Entscheidungen und bin dankbar für alle guten sowie schlechten Momente, da ich viel aus ihnen gelernt habe. Ein Auslandsjahr ist ein ganz besonderes und einzigartiges Erlebnis und es lohnt, sich den Sprung aus der Komfortzone hinaus und in eine andere Kultur hinein zu wagen, denn ein Auslandsjahr prägt einen ein Leben lang. Man lernt nicht nur viel über das Gastland, sondern auch über sich selbst.

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Grand Canyon (Arizona)