Wenig Au Pair - dafür viel Sprache und italienisches Flair

Von Svea Ernst

(Abitur 2016)

Auf meinen Monat als Sommer-Au Pair für einen Zeitraum von vier Wochen blicke ich leider ernüchternd zurück. Letztendlich muss ich sagen, dass ich sehr froh war, nach einem Monat wieder Zuhause zu sein.

Meine Familie in Italien hat ein 7-jähriges Mädchen, Maria Paola, das leider absolut kein Interesse an mir hatte. Ich war eigentlich dafür gedacht, die Deutschkenntnisse des Mädchens zu verbessern (sie besucht eine deutsche Schule). Sie war aber eigentlich an allem mehr interessiert als an mir. Jedes Mal, wenn ich den Raum betreten habe, wurde der Blick von mir abgewendet, und jedes Mal, wenn ich versucht hab mit ihr deutsch zu sprechen („Wollen wir etwas spielen? Hast du Hunger? Geht es dir gut?“) wurde laut 'Nein' geschrien und sich weggedreht. Habe ich dann noch einmal gefragt, wurde meistens der Raum verlassen. Leider habe ich bemerkt, dass 'meine Kleine' absolut keine Erziehung genossen hat. Sobald ich auf sie zu kam und etwas gefragt hab, wurde so laut und so lange 'MAMA' geschrien, bis diese dann auch kam. Da die Mama nicht arbeitet, war sie oft zu Hause und Maria Paola war sehr auf sie fixiert. Wenn die Mutter dann aber doch mal gehen musste, um einkaufen zu gehen, musste Maria Paola dann mit mir alleine bleiben. Bevor das überhaupt möglich war, wurde erst 30 Minuten herum geschrien und diskutiert, bis die Mutter dann doch gegangen ist und Maria Paola genervt vor den Fernseher gesetzt hat. Sie da weg zu bekommen, um Zähne zu putzen, Hausaufgaben zu machen oder zu spielen, war unmöglich!

Ganz schlimm wurde es aber, als die Freundin von Maria Paola hier war und ich alleine mit den Kindern war. Sie haben absolut nicht auf mich gehört, haben mich immer imitiert („Schluss, Maria Paola!“). Sie fanden es witzig, ständig in mein Zimmer zu gehen und Sachen herauszuholen oder zu verstecken. Sie haben mich getreten, angespuckt und mit Wasserspielzeug mein ganzes Zimmer unter Wasser gesetzt. Leider hatten die Türen hier keine Schlüssel, weshalb ich auch nicht abschließen konnte. Maria Paola hatte auch einmal Spaß daran, in mein Zimmer zu rennen, sich auf meinen Laptop zu stellen und mich dann mit großen Augen anzugucken. Auf mein mittlerweile etwas lauter gewordenes Organ reagierte sie nur mit Gelächter. Als die Eltern dann etwas später nach Hause kamen und ich Ihnen davon berichtet habe, reagierten sie ganz normal. Zu dem Zeitpunkt war ich mit meinen Nerven schon total am Ende. Leider konnte sich die Mutter auch gegenüber ihrer Tochter nicht durchsetzen, weshalb die Kleine eigentlich alles machen kann, was sie möchte, und nicht mit einem „Nein“ umgehen kann.

 

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Ich finde es sehr schade, dass sich Maria Paola diese Möglichkeit entgehen lässt, spielerisch ihr Deutsch zu verbessern. Durch ihr Desinteresse hatte ich viel mehr Freizeit als gedacht. In meiner Freizeit besuchte ich die italienische Sprachschule und traf mich mit anderen Au Pairs. (Svea Ernst)